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Zapchen wellbeing

Achtsamkeit- Selbstregulation

Tony Richardson

Australischer Arzt. Psychiater. Langjähriger Schüler der Sakya-Linie des tibetischen Buddhismus. Mit-Entwickler von Zapchen Somatics. Lehrer.

Geboren in Australien. Verstorben am 5. August 2025.


Wenn du Tony nicht persönlich getroffen hast, ist das in Ordnung. Vieles von dem, was er gegeben hat, lebt in uns, in der Praxis, in den Räumen, in denen wir zusammensitzen.

Wenn du Tony getroffen hast, weißt du, was wir nicht in Worte fassen können.

Diese Seite ist ein Versuch. Sie ist auch eine Verbeugung.


Wer er war

Tony Richardson war Arzt — Psychiater, ausgebildet in Australien, später auch in Großbritannien. Er hatte den akademischen Hintergrund, der ihn hätte distanziert machen können. Er ist es nicht geworden.

Was er stattdessen wurde, war ein Mensch, der zuhören konnte. Der den Körper verstand — als Mediziner, aber tiefer. Der die buddhistische Praxis nicht als System verstand, sondern als ein Tor in eine andere Art zu sein. Der wusste, dass die wirklich kostbaren Dinge nicht erklärt werden müssen, sondern erfahren.

In den 1970er und 80er Jahren begegneten sich Tony und Julie Henderson — über Bioenergetik, über Körperarbeit, über die Frage, was wirklich wirkt. Sie wurden Weggefährt:innen für Jahrzehnte. Aus dieser Verbindung — und aus den Begegnungen mit tibetisch-buddhistischen Lehrer:innen, allen voran Gyalsay Tulku Rinpoche, der dieser Praxis den Namen gab — wuchs Zapchen Somatics.

Tony brachte zwei Dinge mit, die zusammen die Methode prägten:

  • Den klinischen Blick eines Arztes, der wusste, wie das Nervensystem funktioniert
  • Die Schülerschaft eines langjährigen Sakya-Praktizierenden, der wusste, dass es um mehr geht als Funktion

Er konnte das nebeneinander stehen lassen. Er hat es uns vorgelebt.


Sein Stil

Wer Tony unterrichten erlebt hat, erinnert sich oft zuerst an seine Stille. An seine Fähigkeit, in einem Raum zu sein, ohne ihn zu füllen.

Dann an seinen Humor. Trocken. Britisch-australisch. Manchmal sehr trocken.

„Mortimer, stop it. He wants his dinner."

— Tony, mitten in einer tiefen Lehre, zu seinem Hund

Dann an seinen Blick. Aufmerksam, ohne zu drängen. Niemand wurde von Tony angesehen und blieb derselbe.

Und an seine Liebe zur Natur, zum Tier, zum Einfachen. Tony konnte stundenlang einer Kuh zuschauen. Er meinte das nicht poetisch. Er fand es interessant.

„We don’t get to sit and watch cows for days or walk along the tundra, gently being aware of small changes in the wind. We’re coming from a different, very busy mind."

— Tony Richardson, im Gespräch mit Lorenz, März 2022


Was er Zapchen mitgegeben hat

Wenn man Tonys Beitrag zu Zapchen in einem Satz sagen müsste: Er hat uns gelehrt, den Körper als Freund zu verstehen.

Nicht als Maschine. Nicht als Werkzeug. Als Wesen, mit dem man in Beziehung steht.

In seinen späten Lehren sprach er oft über den „back-and-down" process — die Grundpraxis, in der wir uns hinlegen, den Körper als dreidimensionale Form spüren, in den Boden sinken, atmen lassen. Eine schlichte Sache. Aber das Fundament für alles, was darauf aufbaut.

„The more friendly your relationship with yourself as body is, the more aware you are of the wonder and the magic of being a human being. The more you do that, the more choices you have in just about everything. If there’s a foundation in Zapchen, that would be one of the foundations."

Er hat uns gelehrt, dass Tun und Sein keine Gegner sind. Dass die buddhistischen Lehren nicht bedeuten, dass wir das Tun aufgeben müssen, um zu sein. Sondern dass beide einander brauchen — Begleiter, die nicht auseinander gehören.

„These things are supposed to be so friendly with each other that they’re companions that won’t leave each other."

Und er hat uns die vier Grundprinzipien weitergegeben — nicht als Lehre, sondern als tägliche Hintergrundmelodie:

  1. Du bist außergewöhnlich. Ein menschlicher Körper, ein bewusster Geist — das ist eine seltene Sache.
  2. Was du heute tust, prägt morgen. Karma, schlicht gesagt.
  3. Wir sind verbunden. Mit anderen Menschen, mit Tieren, vielleicht mit allem.
  4. Alles verändert sich. Wenn du gegen Veränderung kämpfst, leidest du.

Wenn diese vier in dir leben — sagte Tony — dann ist es egal, ob du Körperarbeit machst oder Meditation oder gar nichts. Du bist auf dem Weg.


Sein Vermächtnis: "Splittet das nicht."

Tony hat über Jahrzehnte unterrichtet. Aber sein vielleicht wichtigster Moment für die Zapchen-Gemeinschaft war im Sommer 2025, kurz vor seinem Tod, beim Sommer-Retreat in Stauf.

Was er damals sagte, ist sein Vermächtnis an alle, die Zapchen weitertragen:

„The history of Zapchen was that we started off as almost pure body workers, and then we met Tibetan masters. We didn’t understand anything of what was happening, because in those days there was very little explanation. They would come and they would speak, and there we go.

But because we were already trained in body work, we could feel what was being asked of us inside. So then it became that we wanted to translate that experience that we now called Zapchen — Julie called it Zapchen, not me yet — and make it accessible to people in the West that hadn’t had monks training and Buddha training and everything.

Although it is really good to have outside teachers, and I support it very strongly, it is not so good from Zapchen’s point of view to split Tibetan Buddhism here and Zapchen here, because Zapchen was born with the togetherness of that.

I understand the wonderful projects you are involved in, and it is not always appropriate to refer to Buddha or to such rituals. But it’s always appropriate as a Zapchen practitioner to hold these two things together.

And if I can come back and demonstrate or teach that to you, I will. But if I can’t do it, you have to do it. This Zapchen is now yours."

— Tony Richardson, Stauf, August 2025

Er hat uns auch erlaubt, Fehler zu machen.

„You cannot get it wrong any more than I got it wrong so many times."

Und er hat uns daran erinnert, dass es nicht um die Methode geht, sondern um die Bereitschaft.

„It’s not about Zapchen that’s so good. It’s the fact that you are willing — that’s so good."


Wie wir Tony in Erinnerung tragen

Wir sprechen über ihn. Mit unseren Gruppen, mit Studierenden, mit allen, die fragen.

Wir lassen seine Wörter sprechen, wo sie sprechen sollen — nicht weil er heilig ist, sondern weil er es klar gesagt hat.

Wir halten seine zwei Welten zusammen — Körperarbeit und Buddhismus —, wie er es uns gebeten hat. Auch wenn wir es manchmal still tun, manchmal ohne den Buddhismus zu nennen. Aber wir vergessen ihn nicht.

Wir machen Fehler. Tony hätte gelacht.

„I could look at some of my old teachings and go, ‚Oh, shit.‘ So what? So what?"

Wir geben weiter, was wir erhalten haben. So gut wir können.


Zum Weiterhören und Weiterlesen

Über Tonys Lehrweise:
Lorenz hat in den letzten Jahren mehrere lange Gespräche mit Tony aufgezeichnet — über die Geschichte von Zapchen, über die fortgeschrittene Praxis, über das, was Tony die „secret teachings" nannte. Diese Aufnahmen sind Teil unserer kollektiven Erinnerung.

Tonys Lehrer:
Tony war jahrzehntelanger Schüler der Sakya-Linie des tibetischen Buddhismus — einer der vier großen Schulen des tibetischen Vajrayana. Sein engster Lehrer war der 14. Gyalsay Tulku Rinpoche, Gründer von Sakya Tharpa Ling in Sydney, der auch der Praxis den Namen Zapchen gab. Enge Verbindungen bestanden bis zuletzt auch zu Aenpo Kyabgon Rinpoche und Khenpo Ngawang Dhamchoe vom Drogmi Buddhist Institute. Die tiefe Verwurzelung in der Sakya-Tradition — mit ihrer präzisen Philosophie, ihrer Meditationspraxis und dem Lam-Dre-Unterweisungsweg — prägte Tonys Blick auf Körper, Geist und Wohlbefinden zutiefst.

Sakya und Vajrayana:
Wenn dich der buddhistische Hintergrund interessiert, lies unsere Seite Die buddhistischen Wurzeln — und Tonys Empfehlung gilt: lerne von guten Lehrer:innen draußen, aber halte beides zusammen, wenn du Zapchen übst.


Eine letzte Erinnerung

In einem der letzten langen Gespräche, die Lorenz mit Tony führte, fragte Lorenz ihn nach den Voraussetzungen für eine wirklich tiefe Praxis.

Tony schwieg lange.

Dann sagte er:

„Whether you become a buddha today or tomorrow or whatever, you will never be more precious than you are already. You’ll be more effective, but you won’t be more precious. Because this is a very rare thing — to be the human being that you are. To ask these questions and take this journey and reflect on those things."

Wir lassen diese Worte stehen.


Tony, danke.

Für die Stille. Für den Humor. Für die Hunde. Für die vier Prinzipien.
Für deine Fehler, die du uns gezeigt hast.
Für die Erlaubnis, unsere eigenen zu machen.

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